Ausgeraubt in San Francisco – und wie es danach weiterging

Einbruch San Francisco

Es ist Sonntag, der 31.08.2014, 18.00 Uhr.

Angekommen in San Francisco, nach der Fahrt aus dem Yosemite Nationalpark.
Fillmore Street. 2 Blöcke von den „Painted Ladies“ entfernt, einer Häuserreihe im viktorianischen Stil, welche stets bei Touristen als beliebtes Fotomotiv dient.

Nachdem wir es geschafft haben unseren riesigen SUV (Chevy Tahoe) in eine kleine Parklücke bei San Francisco typischer 25%-Steigung zu quetschen, waren wir an unserem Hotel angekommen, welches wir vorher gebucht hatten.
Naja, das lag noch etwa 50m um die Ecke.
Eine schöne Wohngegend, möchte man meinen und das Wetter war auch gut. Kein Nebel.

Nachdem, wie so oft, das meiste Gepäck schon wieder im Auto verstreut war (man hat ja Platz), mussten wir zweimal gehen, um alles ins Hotel zu schleppen.
Eigentlich wollten wir uns eh nicht lange aufhalten und nach dem Check-in gleich wieder weiter fahren, denn es war bald Sonnenuntergang und die Sonne war diesmal nicht in Nebel gehüllt, so wie häufig in San Francisco.

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Also Koffer raus, Auto zu und die 50m um die Ecke zum Hotel gelaufen. Hotel macht einen guten Eindruck, Check-in läuft normal, ein bisschen Smalltalk und hoch ins Zimmer.

Was nun passiert, ist ein Phänomen, was für San Francisco nicht unbedingt untypisch ist, unsereins aber nicht häufig zu spüren bekommt. Ein leichtes Klappern (der Wind?), dann ein Vibrieren und spätestens, als alles anfing ein wenig hin und her zu wackeln, war klar, dass es sich um ein Erdbeben handelt.
Kein besonders starkes zwar, aber stark genug, um es ein wenig zu spüren.

Also gut, erst mal im Zimmer geblieben und abgewartet. Nach ein paar Minuten war das Spektakel vorbei und mittlerweile sind seit dem Check-in ca. 30 Minuten vergangen.
Also, keine Zeit mehr verlieren, auf geht’s zum Cliff House, schauen wir uns den Sonnenuntergang an!

Auf dem Weg zum Auto, ich bemerke es erst gar nicht, macht mich meine Reisepartnerin auf die ganzen schwarzen Glasteilchen aufmerksam, die plötzlich neben unserem Wagen liegen.

Erster Gedanke: „Hä…, das kann doch jetzt nicht wegen dem kleinen Erdbeben da gerade passiert sein“.

Zweiter Gedanke: „Was ist hier bitte passiert, mal nachschauen“.

Nun bemerkt meine Freundin, dass ihr Rucksack nicht mehr auf der Rückbank liegt. Verdammt.
Ziemlich schnell wird alles klar, schnell ins Mittelfach geschaut, wo meine Kamera lag. Nichts mehr drin. Auf den Boden hinter dem Sitz geschaut. Kamerarucksack mit Objektiven fehlt. Fuck.

Erst mal kurz ausgerastet.

Nach dem ersten Schock fiel uns der Laptop ein, der im Kofferraum lag…
…Dieser Moment, … die Sekunden der Ungewissheit, bevor man den Kofferraum aufmacht und nachschaut…furchtbar.

Doch zum Glück war dieser noch da. Zumindest ein Teil an Backup-Dateien war nämlich nur da drauf.
Ok, bis in den Kofferraum hatten sie es also dann doch nicht geschafft, aber der ist natürlich eh schwerer zu öffnen, da elektronisch verriegelt.

Einbruch San Francisco

Das Einzige, was ich noch vorfand, war die Hälfte eines Kameraobjektivs, genauer die Linse, die am Boden lag.
Daran sieht man, dass die Diebe die Kamera mit äußerster Gewalt aus dem Auto gezogen haben müssen.

Der Reisepass meiner Reisepartnerin war auch weg. Wie uns ein Anwohner, der uns gleich ein wenig unterstützte, mitteilte, hatten wir diesbezüglich aber wohl Glück, dass wir in San Francisco waren.
Denn im Vergleich zu L.A. oder anderen Städten scheint es hier sehr schnell zu gehen, sich einen Ersatzreisepass bei der Botschaft zu besorgen. Wie sich später herausstellte, war der neue Pass tatsächlich innerhalb eines Vormittags erledigt.

Na gut, langsam sammelte man sich wieder, obgleich es nach wie vor unfassbar war.
Denn ganz ehrlich.
Würde man ernsthaft glauben, dass am helllichten Tag – an einem Bürgersteig, an dem Passanten vorbeilaufen, ein Anwohnerhaus sich an das nächste reiht und die Gegend einen freundlichen, gar sicheren ersten Eindruck macht – jemand den großen SUV mit getönten Scheiben und Alarmanlage innerhalb von 30 Minuten Abwesenheit aufbricht?

Ich nicht, zumindest nicht, ohne die tatsächliche Gefährlichkeit dieser Gegend bezüglich Einbrüchen zu kennen.

Einbruch San FranciscoDenn leider hat unsere liebe Hoteldame ausgerechnet uns beim Check-in vergessen zu sagen, dass man hier niemals, auch nicht für kürzer, Wertsachen im Auto liegen lassen sollte, da hier offensichtlich fast täglich in Autos eingebrochen wird. („Did I not tell you about the situation here? I always tell people to take all of their stuff out of the car“).

Später erzählte uns ein Anwohner, dass selbst in sein altes Auto, ohne wertvollen Inhalt schon 3x eingebrochen wurde.
Na, wenn man das immer vorher wüsste.

Hätte ich das Zeug bei Dunkelheit in Inglewood oder South Central, Los Angeles oder wo auch immer die gefährlichen Ecken dort sind, für 20 Minuten im Auto gelassen? Sicher nicht. Denn jeder weiß – lasse als Tourist keine Wertsachen im Auto. Schon klar.

Nur fühlten wir uns in dieser Ecke San Franciscos allerdings scheinbar so sicher, dass man gar nicht auf den Gedanken kam, dass jemand so dreist sein kann und das Auto unter diesen äußeren Bedingungen aufbricht. Vermutlich wurden wir allerdings schon bei der Ankunft beobachtet und dann wurde wohl auf den richtigen Moment gewartet.

Wie das immer so ist, weiß man es eben erst später besser. Daher habe ich seitdem auch nie mehr, auch nur für eine Minute, mein Kamerazeug oder Geldbeutel im Auto gelassen, auch wenn es teils absurd schien.

 

Wie ging es nun weiter?

Erst einmal die Polizei angerufen und herbestellt. Nachdem sich sowas zieht, wenn es kein Notfall in dem Sinne ist, hatten wir zunächst genug Zeit, alle gestohlenen Gegenstände aufzuschreiben.
Da unserer beiden Kameras gestohlen wurde inklusive Objektive, kam da schon Einiges an Summe zusammen.

Glücklicherweise hatte ich durch meine Advanzia Kreditkarte (ich berichtete) eine Reiseversicherung, die auch Diebstähle dieser Art abdeckt (wer hätte gedacht, dass ich diese Versicherung tatsächlich mal benötige), womit zumindest ein Großteil des finanziellen Verlustes im Nachhinein erstattet werden konnte.

Die letzte Woche an Bildern (Death Valley, Monument Valley, Yosemite), von denen wir noch kein Backup gemacht hatten, war aber natürlich trotzdem unwiederbringlich verloren. Naja, immerhin nur eine Woche.

Das zeigt aber mal wieder, wie wichtig regelmäßige Backups auf Reisen sind (ich habe die Bilder von der Kamera sowohl immer auf den Laptop gespeichert, als auch zusätzlich auf USB-Sticks).

Nachdem der Mietwagen ja nun ausgetauscht werden musste, haben wir auch gleich bei Alamo angerufen und letztendlich ausgemacht, dass wir den am nächsten Tag an der Flughafenstation austauschen. Zum Glück waren wir ja genug versichert, dass uns wenigstens die kaputte Scheibe nichts kostet.
Nach ein wenig Hin und Her, bekamen wir am nächsten Tag dann sogar wieder das gleiche Modell, diesmal eben in dunkelgrau metallic, statt weiß.
Wäre das also schon mal erledigt.

Einbruch San Francisco

Den Reisepass konnten wir erst am folgenden Tag besorgen, da die Botschaft an dem Tag zu hatte. Abfahren wollten wir aber schließlich auch nicht gleich wieder, denn von San Francisco hatten wir nun durch den ganzen Trubel nicht wirklich viel gesehen und warum sollten ein paar gottverdammte Diebe unsere Pläne so stark durchkreuzen.

Zunächst noch etwas mäßig gut gelaunt, gewöhnte man sich dann eben doch langsam an den Verlust und die Aufregung, sodass man San Francisco – welches uns diesmal zwar nicht gerade freundlich begrüßt hat, aber dennoch an der Schönheit an sich nicht verliert – doch noch ganz gut genießen konnte.

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Nach 3 Nächten ging es dann auf zum Highway #1 in Richtung Süden.

Nachdem wir am Morgen nochmal mit dem Auto unterwegs waren, hielten wir zum Schluss wieder vor unserem Hotel an, um auszuchecken.

Vor dem Hotel steht ein betrübt dreinblickendes Pärchen vor ihrem Auto.
Es wurde eingebrochen, sagen sie, die Scheibe sei kaputt. Zum Glück sei nichts Wichtiges geklaut worden.

 

„Ach ja, das haben wir auch schon hinter uns. Shit happens“.

 

 

 

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7 Kommentare

  • Ähnliches ist uns vor einigen Jahren in New Jersey passiert (Jersey Gardens Outlet Mall). Wir hatten einen separaten Kofferraum und den „Fehler“ begangen, ihn auf dem Parkplatz zu öffnen, um noch etwas zu verstauen (wir waren gerade mit vollem Gepäck unterwegs). Dabei wurden wir wohl beobachtet. Stunden später machten wir die Entdeckung, dass das Fenster auf der Fahrerseite eingeschlagen wurde, um den Kofferraum zu öffnen. Dabei wurden die Taschen entwendet, die locker verstaut waren. Ein Koffer war etwas verkeilt und wohl zu schwer herauszubekommen. Unsere Wertsachen und Dokumente hatten wir zum Glück bei uns. Die Security kam wohl, aber sie kannte bereits die Vorgehensweise . Der anschließende, notwendige Einkauf hat echt wenig Spaß gemacht. Seit dem Vorfall „verbinden“ wir das gesamte Gepäck mit mehreren Gürteln oder einem Stahlseil mit Schloss.

    • Hi Ina,
      ja, leider ist man eben doch immer erst nachher (über)vorsichtig. Das ist natürlich auch eine Strategie, das Gepäck durch verbinden zu sperrig zum rausziehen zu machen 😉
      Gruß Robin

  • Großer Mist so Etwas, ich hatte etwas Ähnliches vor zwei Jahren in Las Vegas. War mit zwei Freunden im XS Club, bin früher gegangen und wurde auf der Straße an einer Ampelkreuzung angesprochen. Bevor ich richtig wusste was los war hielt ein Auto, die Tür ging auf und ich wurde reingezogen bzw. reingestoßen. Ab ging die wilde Fahrt durch Vegas zusammen mit meinen drei bewaffneten Taxifahrern. Zuerst zu meinem Hotel (Stratosphere), wo ich meine Zimmerkarte rausgeben musste und einer der drei sogleich Alles rausgeholt hat, was irgendwie von Wert war. Kamera, Handys Bargeld, Kredit- und EC Karten, Notebook, etc. Dann ging es weiter zu verschiedenen Bankautomaten wo die Jungs mir die Konten leer machen wollten. Meine PIN für die Kreditkarte kannte ich nicht (wer kennt die auch schon???), Geld mit der EC Karte gab es aber auch nicht, weil ich am gleichen Tag schon mein Auslandsmaximum aufgebraucht hatte. Aber erklär das in so einer Situation mal deinen neuen „Freunden“. Wieder ging es quer durch Vegas und nach Vortäuschung extremer Übelkeit durfte ich endlich das Taxi verlassen, glücklicherweise in unmittelbarer Nähe zu meinem Hotel. Allerdings wurde mir vorher noch meine Schuhe abgenommen. Die nächsten drei Stunden verbrachte ich dann mit den Cops und der Spurensicherung, in unser Hotelzimmer durften wir vorerst nicht mehr (war ja ein Tatort). Das supernette Hotel lies mich nicht mal einen Auslandsanruf machen, um meine entwendeten Karten zu sperren. Das ging dann erst am nächsten Morgen. Das Ende vom Lied: Keine EC Karte mehr verfügbar und nur noch eine Kreditkarte von einem meiner Freunde, die allerdings kurz vorm Limit stand. Glücklicherweise konnte ich mir noch 500 USD per Western Union schicken lassen, so einen Betrag einzulösen ist allerdings auch nicht ganz einfach. Die meisten Niederlassungen haben ein Maximum von etwa 200 USD. Danach noch einen halben Tag auf der Polizeistation verloren, ich brauchte ja einen Polizeibericht für die Versicherung. Also, es geht auch schlimmer 😉

    • Hallo Flo,
      das ist natürlich wirklich eine krasse Story, die du da erlebt hast. Dabei soll der Las Vegas Strip sogar als relativ sichere Gegend gelten.
      Gut, dass nicht noch mehr passiert ist, auch wenn der Velust aller Wertsachen schon schmerzlich genug ist.
      Grüße, Robin

  • Hallo Robin,
    Ich habe Ihnen eine laaange E-Mail geschrieben und hoffe, dass es okay ist :>
    Wir hoffen sehr auf Antwort.
    Das wäre großartig
    Lg Jenny

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