Drakensberge – Sentinel Hike: Südafrikas gefährlichster Wanderweg?

Auf den Sentinel Hike und die Drakensberge war ich schon im Vorfeld unserer Südafrika-Reise gespannt, da ich schon einiges über die sensationellen Landschaften hier gelesen hatte und auch neugierig war, ob wir die „Horrorleitern“ (dazu später mehr) auf dieser Wanderung überwinden würden. Nach den letzten fahrlastigen Tagen ging es nun also mal wieder auf einen „Hike“ – der es in sich hatte.

Vom Krüger Park, den wir die letzten Tage erkundet hatten, fuhren wie die weite Strecke in den schönen Ort „Clarens„, der bei vielen als einer der schönsten Orte Südafrikas gilt.
Wir wurden nicht enttäuscht. Ein sehr friedvoller Ort mit einer wunderschönen Bergkulisse erwartete uns und zugleich eine der besten Unterkünfte auf unserer Reise (eigentlich gibt es in ganz Clarens fast nur gut bewertete Unterkünfte).

Wenn man genügend Zeit hat, kann man hier auch länger bleiben; in der Umgebung gibt es einiges zu tun.
Wir entschieden uns, nur eine Nacht zu bleiben, da der Sentinel Hike doch ein Stück entfernt war und wir, im Anbetracht unserer weiteren Reiseroute, etwa 100km Umweg hätten fahren müssen, nur um nach dem Sentinel Hike wieder in Clarens übernachten zu können.

 

 

Unsere Unterkunft in Clarens – Ausgangspunkt für den Sentinel Hike, Drakensberge

Drakensberge, Sentinel Hike

Wir haben eine Nacht in der Unterkunft „Mt Horeb Manor“ (booking.com) gebucht, welche bei uns ca. 50€ gekostet hat; ein fantastisches Frühstück inklusive. Die Zimmer waren sehr geräumig, sauber und modern, man fühlte sich fast wie im 5*-Hotel, v.a. auch wegen der hochwertigen Innenausstattung/Möbel. Kaffee, Kekse und Wasser standen auch bereit.
Die Bewertung von 9,8/10 bei Booking.com spricht hier ebenfalls für sich.
Abends bekamen wir außerdem einen Gutschein für ein nettes Restaurant in der Nähe, wo es dadurch eine kostenlose Flasche Rotwein gab. Auch sehr cool.

Sehr empfehlenswerte Unterkunft mit krassem Preis-Leistungsverhältnis.

 

Fahrt zum Sentinel Hike Parkplatz – Von beeindruckend bis abenteuerlich!

Drakensberge, Sentinel Hike

Die Strecke von Clarens bis zum Sentinel Hike ist insgesamt ca. 90km lang und man braucht dafür 2 Stunden. Eine relativ lange Zeit also. Wenn man sich aber nicht gerade in einer der wenigen teuren Lodges in unmittelbarer Nähe des Sentinel Hikes einbucht, hat man kaum Alternativen. Denn bevor man zum Parkplatz gelangt, muss man erst einmal Phuthaditjhaba durchqueren, einer der größten Orte in dieser Gegend.

 

Durch den Golden Gate Highlands National Park

Bevor man dorthin gelangt, durchquert man allerdings erst den Golden Gate Highlands National Park, einem tollen landschaftlichen Highlight, das Lust macht und einen Vorgeschmack auf das bietet, was man später in den Drakensbergen noch erleben wird.

Drakensberge, Sentinel Hike

Eigentlich könnte man auch hier schon Tage verbringen. Vor allem, wenn man länger in Clarens bleiben will, bietet der Golden Gate Park etliche Gelegenheiten für Wanderer.
Eine kleine Übersicht gibt es in dieser Broschüre von Sanparks (englisch).

Wie auch in den Drakensbergen, kann es hier schnell vorkommen, dass bald alles in einer Wolke steckt. So aussichtslos wie es dann meistens aussieht, so schnell können die Wolken aber auch wieder verschwinden. Auf unserer Durchfahrt war es erst wolkenlos, später steckten wir dann aber doch drin.
Dennoch sah die Landschaft beeindruckend aus.

Drakensberge, Sentinel Hike
Im Hintergrund ist bereits die Wolke zu sehen

Eigentlich kostet der Eintritt in den Park laut Angaben 176 Rand (ca. 13€). Wir wurden aber durchgewunken (eventuell muss man die Gebühr hier auch nicht zahlen, wenn man sich nur auf der Durchfahrtsstraße befindet und nicht hier übernachtet; bin mir aber nicht sicher).

Hat man den Park durchquert, fährt man noch ein Stück weiter, bis man irgendwann nach Phuthaditjhaba abbiegen muss. Hier ist wie in anderen Städten Südafrikas immer ein ziemliches Durcheinander: Leute laufen auf der Straße; ständig halten Minibusse an oder fahren los, um Passagiere abzusetzen oder aufzunehmen und überhaupt ist teilweise viel Verkehr gewesen.
Wir waren eigentlich froh, als wir hier wieder raus waren.

 

Die kritische Anfahrt zum Parkplatz

Irgendwann ist der Sentinel Hike Car Park (Parkplatz) dann auch beschildert und man kommt schließlich an einer kleinen Schranke an, wo man die erste Eintrittsgebühr von 45 Rand pro Person entrichten muss, um hinaufzufahren.

Ab hier geht es eine teilweise sehr abenteuerliche Strecke 12km lang nach oben. Daher wird man auch oft vor dieser Anfahrt gewarnt, wenn man nur mit einem Klein-oder Mittelklassewagen unterwegs ist. Ein SUV ist auf jeden Fall von Vorteil. Dennoch haben auch wir es mit unserem Mittelklasse-Toyota-Mietwagen geschafft.

Es geht dabei insbesondere um einen unbefestigten Abschnitt von ca. 5km, welcher übersät mit Schlaglöchern und ein paar größeren Steinen ist, weswegen man mit der Bodenfreiheit ein wenig aufpassen sollte. Teilweise muss man auch extrem langsam fahren und zusehen, dass man nicht aufsitzt – die Löcher quasi strategisch umfahren 😀
Eigentlich gab es aber nur eine Stelle, die ein wenig kritisch war, den Rest konnte ich gut bewältigen.

Irgendwann kommt dann zum Glück wieder eine gepflasterte Strecke, die bis zum Parkplatz führt. Es scheint also fast, als würde der Weg von oben und unten schrittweise zugepflastert werden.

Wir waren schon die ganze Anfahrt in einer Wolke „gefangen“, was sich durch dichten Sprühnebel bemerkbar machte und hofften, dass wir die Wolke irgendwann überwinden würden, wenn wir nur hoch genug sind.

 

Sentinel Hike – Auf das Dach der (südafrikanischen) Drakensberge

Drakensberge, Sentinel Hike

Bevor wir den Weg betraten, wurden wir wieder aufgehalten und mussten noch einmal 75 Rand bezahlen, um auf dem Sentinel Hike zu wandern.
Ich glaube wir sind um kurz vor 10 losgelaufen, was vergleichsweise spät ist (wir wollten uns das Frühstück unserer Unterkunft nicht entgehen lassen).
Besser, man fängt schon um 8 oder noch früher an, denn je später es wird, desto eher hüllt sich irgendwann alles in eine Wolke oder gibt gar Unwetter (und die hat man hier offenbar nur zu häufig, vor allem aber nachmittags).

Übrigens: Wasserdichte und vor allem Schuhe mit gutem Profil sind hier Voraussetzung. Ich bin ja schon öfters mal mit eher ungeeigneten Schuhen wandern gegangen, aber hier wäre es wirklich etwas problematisch gewesen, vor allem bei Nässe.
Man muss öfters mal über ein paar schiefe Felsen kraxeln und da kann dann schon die Gefahr bestehen, etwas abzurutschen. Daher hatte ich mir extra vorher noch ein Paar (Trekking-)Schuhe gekauft (Kanadia 7 GTX von Adidas).

 

Drakensberge – Aufstieg auf dem Sentinel Hike auf über 3000 m

Nun ging es aber los und wir konnten nur hoffen, dass die Wetterlage besser würde, denn angenehm war das gerade nicht mehr.
Die Wolke wirkte sich als kalten Sprühregen aus, der unsere Kleidung nässte und vor allem im Gesicht – durch den Wind verstärkt – ziemlich kalt war. Der Boden war ebenfalls sehr durchnässt, matschig und es bildeten sich kleine Wasserläufe auf dem Weg.
Einziger Vorteil: Wir konnten diesen ersten Anstieg relativ gut bewältigen, da uns nicht heiß wurde.
Neben uns haben zu dieser Zeit nur noch zwei weitere Wanderer angefangen, ansonsten trafen wir fast niemanden mehr.

Irgendwann dann aber ein Hoffnungsschimmer: Durch die Wolkendecke leuchtete das erste Blau hindurch und auch die Sonne konnte man wieder ansatzweise entdecken.

Ein paar hundert Meter weiter war es dann endlich soweit. Wir hatten die Wolke nach oben verlassen und es erstrahlte blauer Himmel, umgeben von einem beeindruckenden Wolkenmeer, fast so als säße man im Flugzeug.

Kurz war die Aussicht auf das Gebirge noch versperrt, bis die Wolkendecke endlich für ein paar Minuten aufriss, den Blick auf die atemberaubende Landschaft frei gab und dabei sogar noch einen weißen Regenbogen erzeugte. Ein toller Anblick, den man nicht so schnell vergisst und der zeigte, dass es auch bei wolkigem Wetter sehr schön hier oben sein kann.

Drakensberge, Sentinel Hike

Drakensberge, Sentinel Hike

Nachdem wir nun schon bald auf 3000m Höhe waren und die Sonne ab sofort schien, war es Zeit sich mit Sonnencreme zu schützen.
Und dennoch hatte ich ein paar kleine Stellen vergessen, die später tiefrot waren und zeigten, dass man es sich hier oben mit der UV-Strahlung nicht verscherzen sollte, obwohl ich schon vorgebräunt war.

Der nun folgende Weg war wirklich traumhaft und machte mir bewusst, dass ich gerade auf einer der schönsten Wanderungen war, die ich bisher unternommen hatte.
Ein wenig wie beim Grand Canyon in Arizona, nur grüner.

Die nächsten Kilometer geht es nun immer am Rand des Gipfels entlang.
Unter einem die grünen Wiesen und die Wolkenschicht.
Oben der Blick auf den Gipfel, wo es später hinaufgeht. Die Steigung hier ist nun auch sehr moderat und es geht eigentlich ziemlich gemütlich weiter.

Nach knapp 2 Stunden Wanderung war es dann soweit: Angekommen an der berüchtigten Felswand mit den beiden stählernen Hängeleitern.
Nichts für schwache Nerven und erst recht nicht für Leute mit Höhenangst:

Drakensberge, Sentinel Hike

Hier soll es also hinauf gehen. Diese ersten beiden Leitern sind je ca. 40m hoch. Danach folgen 2 weitere Leitern von je ca. 20m. Insgesamt also etwa 60m. Alles ungesichert und eigentlich total verrückt hier hinaufzugehen.

Tatsächlich gibt es auch einen alternativen (sehr anstrengenden) Weg auf den Gipfel.
Von „The Gully“ ist dabei die Rede. Dieser Aufstieg geht wohl vorher auf dem Weg irgendwann hoch. Wo, haben wir aber nicht gesehen. Überhaupt ist der ganze Weg sehr schlecht (bzw. gar nicht) beschildert.

Wie dem auch sei, nach ein paar Fotos (welche hoffentlich nicht unsere letzten Fotos waren), wagten wir uns an die beiden Leitern. Ich nahm die linke, da diese mir ein bisschen „sympathischer“ war, mein Kumpel die rechte.

„Step be Step“ und ohne Hektik ging es hinauf und ich unterließ es lieber, nach unten zu blicken. Die zweite Leiter war dann kein großes Ding mehr, aber man war dennoch erleichtert, endlich oben angekommen zu sein.

Drakensberge, Sentinel Hike
Oben bei den Leitern angekommen

Von hier aus muss man jetzt noch einen steinigen Hügel überqueren und findet sich anschließend auf einer flachen Hochebene wieder. Diese ist umgeben von weiteren Gipfeln (eigentlich dachte ich vorher, wir wären nach den Leitern schon fast am höchsten Punkt..).

Ab hier an hatten wir eigentlich keinen Plan mehr, wo was liegt und wo wir hin sollen. Beschildert ist hier gar nichts. Der ein oder andere Schafhirte ist hier oben. Einer weist uns die Richtung.

Ein paar Meter weiter findet man zunächst aber einen wunderschönen Aussichtspunkt auf einen sehr hohen Wasserfall. Wir dachten in unserer Unwissenheit zuerst, dies seien die bekannten Tugela Falls (zweithöchster, mehrstufiger Wasserfall der Welt), welche sich auch hier ganz in der Nähe befinden.
Tatsächlich waren es aber irgendwelche anderen. Die Kulisse war trotzdem sehr schön.

Drakensberge, Sentinel Hike

Nun gingen wir ein wenig die Steppe bzw. Hochebene entlang. Ein wenig kann man den ausgetretenen Pfad erkennen. Wohin wir laufen und was es hinten zu sehen gibt, wissen wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht so genau.

Hier begegnen wir nach langer Zeit wieder 3 Wanderern, einer davon ein Guide. Dieser sagte uns, dass sich am Ende der Hochebene die besagten Tugela Falls befinden. Also nichts wie weitergelaufen 😉

Drakensberge, Sentinel Hike
Am Horizont, wo man die Felsen sieht, befindet sich der Abgrund und die Fälle

Dem Ende nähernd hört man schon das Brausen. Hier war es nun doch etwas schade, dass die Wolken so hoch waren und die Sicht auf das Tal nicht freigaben.

Trotzdem: Ein beeindruckender Anblick, wie der Wasserfall in die Wolkendecke fließt. Aber auch ein wenig unheimlich, mal wieder so nah am Abgrund zu sein.

Drakensberge, Sentinel Hike

Von den Tugela Falls liefen wir wieder zurück. Eigentlich hatte ich schon ziemlich Hunger, denn wir waren ziemlich schlecht vorbereitet und hatten kaum etwas zu Essen dabei. Nichtsdestotrotz liefen wir noch den letzten Berg hier hinauf, um vielleicht eine noch bessere Aussicht auf die Umgebung zu haben.

Mit quasi letzter Kraft schleppten wir uns auf die (gefühlt) weiteren 300 Höhenmeter auf den Gipfel.
Ob das der „Sentinel Peak„, der Mont-Aux-Sources (der höchste Punkt der südafrikanischen Drakensberge) oder sonst irgendein Gipfel war. Wir wissen es ehrlich gesagt bis heute nicht. Ist ja nichts beschildert. Dennoch gab es nochmal einen schönen Rundumblick auf das ganze Gebiet.
Als must-do würde ich es aber trotzdem nicht bezeichnen hier hoch zu „klettern“.
Wer nur auf der Steppe zu den Tugela Falls läuft sieht auch schon genug.

 

Drakensberge, Sentinel Hike

Wie man auf dem Bild sieht, kamen nun so allmählich die Wolken nach oben gestiegen. Als wir hier hoch kamen, dachte man noch, hier oben gibt’s keine Wolken. In der letzten Stunde zogen die aber unablässlich nach oben.

 

Drakensberge – Abstieg in die Wolken

Unser Zeichen, uns endlich auf den Rückweg zu machen (nach ca. 3,5 Stunden gesamter Wanderung).

An den Leitern mussten wir jetzt natürlich auch wieder hinunter. Wer es schon beim hochklettern mit der Angst zu tun hatte, wird es nun nicht leichter haben.
Schließlich muss man beim hinuntergehen zwangsweise auch mal auf seine Füße und damit nach unten schauen. Und das ist dann schon echt etwas unheimlich. 40m in der Luft zu hängen ohne Sicherung. Da kann man es schon etwas mit der Angst zu tun bekommen.

Der Rückweg erfolgte nun die ganze Zeit in der Wolke. So kalt wie ganz am Anfang war es aber dennoch nicht mehr. Da es nun aber auch nicht mehr so viel zu sehen gab, absolvierten wir den Rückweg relativ schnell. Ich glaube wir waren nach 1:20h wieder unten.

Für die ganze Wanderung inklusive dem Umherlaufen auf der Hochebene haben wir damit ca. 5 Stunden gebraucht. Insgesamt würde ich die Schwierigkeit der Wanderung als moderat bezeichnen.

Drakensberge, Sentinel Hike

Mein Fazit: Absolut zu empfehlen und die schönste Wanderung die ich in Südafrika unternommen habe, eingebettet in eine der schönsten landschaftlichen Kulissen. Natürlich kann man auch Pech mit dem Wetter haben, aber innerhalb von 5 Stunden kann auch viel passieren, denn Wolken kommen und gehen. Nachmittags sollte man aber vielleicht nicht erst hoch laufen.

Wer die Natur und atemberaubende Landschaften liebt, sollte seine Südafrika Rundreise also möglichst mit einem Abstecher in die Drakensberge Region verbinden.

 

Warst du schon einmal in den Drakensbergen? Würdest du die Leitern hochgehen? Schreib doch in die Kommentare!

 

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Weitere Infos dazu

 

Zum Abschluss gibt es wie üblich die Galerie zu den schönsten Bildern vom Sentinel Hike in den Drakensbergen:

 

 

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